Home ReisenSüdamerika2019 Peru Machu Picchu

Machu Picchu

von mrandmrssippy

Tag 18, Dienstag, 24. Dezember 2019 – Ein Traum wird wahr

Die Aufregung war gross und unsere letzte Nacht auf dem Salkantay Trek / Inka Trail war kurz. Die ganze Nacht trommelte der Regen auf unsere Zeltblache. Bereits um 03:00 Uhr klingelte der Wecker (bzw. schüttelte Felipe an unserem Zelt). Innerhalb von 20 Minuten mussten wir uns bereit machen. Das Frühstück fiel heute leider aus. Die Morgenhektik war notwendig, damit wir vor dem Eingangstor des letzten Inkatrailabschnitts noch einen Sitzplatz ergattern konnten. Im Dunkeln tappten wir mit unseren Stirnlampen zum wenige Gehminuten entfernten Checkpoint. Da dieser erst um 05:30 Uhr den Trailabschnitt zum Machu Picchu freigibt, hiess es erst einmal warten.

Wir hatten solches Glück, dass wir die ersten Wanderer waren und die rund zwei Stunden im Trockenen warten konnten statt im strömenden Regen. Die Zeit ging rasch vorbei. Vor allem wegen der Vorfreude auf das Kommende. Wir beobachteten die zahlreichen ankommenden Wanderer und schmunzelten, als diese mit ihrer 3-tägigen Wanderung angaben und ihre Blasen verarzteten.

Pünktlich wie ein Uhrwerk kam um 05:30 Uhr der Mann mit dem Schlüssel für das grosse Eingangstor. Vor Eintritt muss man sich registrieren und seinen Stempel abholen. Dies erledigte unser Guide Felipe für uns und so konnten wir als die allerallerersten von 400 Personen durch das Tor schreiten. Wir zwei kamen so zügig voran, dass wir alle Wartenden hinter uns liessen. Wir genossen also den letzten Abschnitt des Inkatrails ebenfalls für uns alleine. Die Ruhe und die Morgenstimmung im Regenwald waren unbeschreiblich. Es regnete was es konnte und wir waren bereits durch unsere gesamte Regenkleidung nass, als wir nach rund 20 Minuten zum so genannten „Gringokiller“ kamen. Diese Treppen sind so steil, dass man teilweise nur kletternd und mit Hilfe der Arme hinauf kommt. Nach ein paar Minuten hatten wir aber auch diese bezwungen und hinter uns kamen noch immer keine anderen Wanderer. Damit stand den letzten 10 Minuten Fussweg bis zum Sonnentor nichts mehr im Wege.

Mr. Sippy erreichte die Pforte, die den Eingang zu Machu Picchu darstellt als Erster, wartete aber diese eine Minute noch auf Mrs. Sippy. Am 24. Dezember 2019 um 06:22 Uhr schritten wir schliesslich gemeinsam durch das Sonnentor. In diesem Moment lichtete sich der Nebel ein wenig und legte den Blick direkt auf Machu Picchu frei. Was für ein Weihnachtsgeschenk. Für diesen Moment gibt es keine Worte. Wir standen einfach da und blickten auf die menschenleeren Ruinen und konnten es nicht glauben. Wir waren tatsächlich die ersten zwei von 4’000 Menschen die heute die Stätte besuchen. Wir genossen die 10 Minuten, welche wir alleine hatten in vollen Zügen. Es ging in diesem Moment nicht nur ein absoluter Lebenstraum in Erfüllung, sondern es zeigte uns, was wir im Stande sind zu leisten. Unser Herz quoll vor Freude über. Stolz erfüllte uns und auch die ein oder andere Freudensträne kullerte bei Mrs. Sippy. Wow. Ihr hättet dabei sein sollen. Wir waren in diesem Moment gedanklich mit unserer Familie und unseren Freunden dort, die sich in diesem Moment auf das Weihnachtsfest vorbereiteten. Wir waren zwar nicht zu Hause bei Ihnen, aber in unserem Herzen waren sie alle da. 

Wir fühlten uns beflügelt nach 80km an einem Herzensort zu sein und die ganze Anspannung fiel in diesem Moment auch von uns ab. Und damit kam der Schmerz – von den Zehen über die Knie bis zu den Schenkeln. Drückende Füsse, Muskelkater, Nackenschmerzen. Unsere Körper absolvierten die Strapazen Tag für Tag ohne Leiden nun signalisierte der Kopf, dass alles vorbei ist. Aber was solls. Wir sind angekommen.  

Als unser Guide mit unserem Mitstreiter angekommen ist, liefen wir die letzten Kilometer vom Sonnentor in Richtung Ruine und genossen vor dem Aussichtspunkt unser mitgebrachtes Frühstück. Es war uns egal, dass wir völlig durchnässt, in nasses Gras sitzen mussten und im strömenden Regen unser trockenes Brot essen mussten. Wir waren da und dass war alles was in diesem Moment zählte. 

Am typischen Aussichtspunkt war es dann vorbei mit der Ruhe und die Touristen machten sich bemerkbar. Dafür wurden wir wieder belohnt. Der Nebel lichtete sich vollständig und wir konnten Machu Picchu in seiner ganzen Pracht bestaunen. Wow! Und dann kam der Moment fürs Abhaken eines weiteren Punktes auf unserer Bucketlist: Ins Gras sitzen und einfach nur staunen. Wir machten natürlich auch ganz viele Bilder 🙂 .

Im Anschluss erhielten wir von Felipe eine 2-stündige Führung durch die Stätte. Die „Stadt in den Wolken“ wurde Mitte des 15. Jahrhunderts vom Inka-Herrscher Pachacutec als religiöses Zentrum und Ruhesitz erbaut. In ihrer Blütezeit bestand sie aus 216 Tempeln, Palästen und anderen Bauten und wurde von bis zu 1’000 Personen aus der Führungsschicht des Inkareiches bewohnt. Die Stadt wird von drei Seiten vom Urubamba-Tal geschützt und ist von den drei heiligen Bergen „Huayna Picchu“, „Machu Picchu“ und „Putucusi“ umgeben. Die ganze Siedlung ist von einer mächtigen Aussenmauer umgeben, die nur ein Zugangstor hatte. Die ganze Anlage lässt sich unterteilen in einen landwirtschaftlichen Bereich mit Terrassenfeldern und Lagerhäusern sowie einen Wohnsektor mit den Wohnbauten und Tempeln. Ein ausgeklügeltes Wasserleitungssystem stellte die Versorgung mit Frischwasser sicher. Die ganzen Bauten gelten als erdbebensicher.

Ein Höhepunkt der Anlage ist das Sonnenobservatorium „intihuasi“. Dort befindet sich der Sonnenstein „intihuatana“. Der aus dem Fels geschlagene, vierkantige Stein wurde als Sonnenuhr für die Bestimmung der Uhrzeit und Kalenderberechnungen verwendet. Im oberen Teil der Anlage befindet sich auch der halbrunde Sonnentempel. Dieser hat lediglich zwei Fenster. Am Tag der Sommer- bzw. Wintersonnenwende scheinen die Sonnenstrahlen je durch eines der Fenster und erleuchten den dortigen Altar und seine Priester.

Zur Zeit der spanischen Eroberungen wurde die Stadt 1562 von den Inkas niedergebrannt und 1572 endgültig verlassen. Sämtliche Strassen ins 75km entfernte Cusco wurden zerstört. Die Stadt in den Wolken wurden von den Spaniern nie entdeckt. Die Stadt war vermutlich ortsansässigen indigenen Bevölkerungsgruppen bekannt. Von dichter Vegetation überwuchert, wurden die Ruinen 1911 von einer Expedition der Yale University unter der Leitung von Hiram Binghams durch Zufall wiederentdeckt. Viele Geheimnisse von Machu Picchu sind wohl bis heute noch unentdeckt und unerforscht.

Es war noch eindrucksvoller, als es wir uns vorgestellt hatten. Wir waren völlig fasziniert. Wir könnten hier noch seitenweise über die verschiedenen Bauten der Stadt berichten, aber wir wollen ja niemanden langweilen 🙂 . Obwohl man viel über die viel zu vielen Touristen liest, mussten wir feststellen, dass die Menschenmassen sich relativ gut verteilen und wir hatten uns deshalb nie eingepfercht gefühlt. Irgendwie gingen die zwei Stunden viel zu schnell vorbei und wir steuerten bereits wieder den Ausgang an. 

Mit dem Bus fuhren wir dann nach Aguas Caliente. Wir genossen zu viert unseren Weihnachtslunch in einem Restaurant und liessen die Ereignisse der letzten Woche nochmals Revue passieren. Nachdem Essen liefen wir mit Daniel durch den Markt dieses kleinen Städtchens. Schweren Herzens mussten wir ihn dann am Bahnhof verabschieden, weil wir einen früheren Zug als er hatten. Diese Wanderung hat uns zusammen geschweisst und wir hatten viel zusammen erlebt und vor allem viel gelacht 🙂 . Danke für die tolle Zeit.

In den bekannten blauen PeruRail-Waggons ging es dann zurück in Richtung Cusco. Aufgrund der starken Regenfälle blockierte allerdings eine Schlammlawine die Strecke und verzögerte die Weiterreise um 1.5 Stunden. So kam es, dass wir diesen Heiligabend zum grossen Teil im Zugwaggon verbrachten und erst um 22:30 Uhr in unserem Hotelzimmer todmüde, aber überglücklich ins Bett fielen.

Falls Du keine Beiträge oder Fotos verpassen möchtest, kannst Du unseren Blog abonnieren. Sobald ein neuer Beitrag online ist, erhälst Du per Mail eine Benachrichtigung. Oder noch besser: Unsere Facebookseite liken und uns auf Instagram folgen.

Hier geht unsere Reise weiter!

Anfang verpasst? Hier geht’s los!

Hinterlasse einen Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahren Sie mehr darüber, wie Ihre Kommentardaten verarbeitet werden .