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Cusco

von mrandmrssippy

Tag 9, Sonntag, 15. Dezember 2019 – Der Nabel der Welt

Früh morgens um 05:00 Uhr erreichten wir nach einer unruhigen Busfahrt und kaum Schlaf endlich Cusco! Dies war unsere letzte Etappe mit Peru Hop. Unsere Unterkunft lag nur wenige Gehminuten vom Plaza de Armas, dem wichtigsten Platz in der Stadt entfernt. Wie bereits in Arequipa hatten wir auch hier Glück, dass wir im Three Leaves B&B bereits jetzt unser Zimmer beziehen konnten. Dankbar legten wir uns nochmals für einige Stunden ins Bett.

Um die Mittagszeit weckte uns der Hunger und wir erkundeten zum ersten Mal Cusco. Die einstige Hauptstadt des mächtigen Inkareiches wurde der Sage nach vom ersten Inka Manco Cápac, dem Sohn der Sonne und seiner Schwester Mama Ocllo gegründet. Cusco gilt als die älteste, ständig bewohnte Stadt des Kontinents. Der neunte Inkaherrscher Pachacutec baute die Stadt schliesslich zu einer mächtigen Hauptstadt und zum Zentrum des Reiches aus. An ihn erinnert heute eine Statue mitten auf dem Plaza de Armas. Der Name Cusco bedeutet „Nabel der Welt“ – von hier aus wurde das Inkareich regiert und von hier zog man aus in die Welt um diese zu erobern.

Wir verliebten uns sofort in die geschichtsträchtige Stadt und die etwas „schizophrene“ Architektur. Wunderschöne koloniale Bauten mit eindrücklichen Balkonen und orangenen Ziegeldächern prägen das Stadtbild. Die meisten davon stehen bis heute auf den mächtigen polygonalen Steinmauern der Inkazeit. Als die Spanier 1533 die Stadt eroberten, begann sofort deren Zerstörung. Tempel und Häuser wurden eingerissen um darauf als Zeichen der Überlegenheit neue Gebäude zu errichten. Mama Pacha (Mutter Erde) strafte diese Überheblichkeit 1650 mit einem schweren Erdbeben, welches grosse Teile der spanischen Kolonialbauten zerstörte. Die meisten Inkabauten blieben dabei bestehen.

Wir schlenderten ein wenig durch die engen Gassen und bewunderten die eindrücklichen Mauerwerke der Inkas. Es müssen grossartige Steinmetze gewesen sein, welche die Mauern aus riesigen, verschieden grossen und geformten Steinen errichteten. Dies mit einer Genauigkeit, dass selbst heute kaum ein Rasiermesser zwischen die Fugen passt. Wir hatten den Eindruck, dass wir vor einem riesigen, dreidimensionalen Steinpuzzle stehen.

Nach einer Pizza mit peruanischem Einschlag erkundeten wir weiter die Stadt. Wir liessen uns einfach in den Gassen treiben und bestaunten das riesige Angebot an Alpaka Wollwaren. Es war ein wahnsinniges Gefühl endlich in dieser Stadt angekommen zu sein. In der offiziellen Touristeninformation kauften wir noch das „boleto turistico“ – quasi ein Sammelticket für diverse Inkaruinen und Sehenswürdigkeiten in der Umgebung. Die Tickets sind mit CHF 33.00 pro Person verhältnismässig teuer, aber wenn man mehrere Ruinen besucht, soll es sich lohnen. Und wir wollen doch die eine oder andere Sehenswürdigkeit erkunden, denn vor allem Mr. Sippy ist total fasziniert von der Inkakultur. Ohne Abendessen spazierten wir nach Anbruch der Dunkelheit zu unserem B&B zurück und schliefen glückselig ein.

Tag 10, Montag, 16. Dezember 2019 – Eine Rundwanderung durch die Welt der Inkas

Heute sassen wir um 08:00 Uhr beim Frühstück. Verglichen mit den letzten Tagen bedeutete dies das reinsten Ausschlafen für uns. Um 08:30 schulterten wir unsere Tagesrucksäcke und machten uns zu Fuss auf. Wir wollten die umliegenden Inka Bauten von Cusco erkunden. Wir hätten dies auch mit einer Bustour oder einem Taxi machen können – aber ja das mit dem Busfahren haben wir fürs erste gesehen. Wir wollten endlich ein wenig wandern.

Die eindrücklichste und bekannteste Station der Rundwanderung ist bestimmt die Ruine der einstigen Inka-Festung Sacsayhuamán. Diese befindet sich rund 2km in nördlicher Richtung und 200m oberhalb des Stadtzentrum und hatte für die Hauptstadt eine wichtige Funktion. Sie wurde als Verteidigungsanlage, Vorratslager und Zeremonialzentrum genutzt. Zu Fuss erklommen wir den Hügel und erreichten nach rund 20min die eindrücklichen Ruinen. Das Wetter war uns wohl gesonnen – es war bewölkt aber trocken.

Am Eingang zeigten wir unser „boleto turistico“ vor, da der kostenpflichtige Eintritt in diesem Sammelticket inbegriffen ist. Es lag nicht am steilen Aufstieg, dass wir erst einmal sprachlos vor den Ruinen standen. Mit den Köpfen im Nacken starrten wir auf die gigantischen Steinmauern vor uns. Diese übertrafen sogar die Bauten im Stadtzentrum bei weitem. Meterhohe, teils bis zu 360 Tonnen schwere Steine wurden hier in Handarbeit zu einem riesigen dreidimensionalen Puzzle zusammengesetzt. Mit einer Eleganz, dass es den Anschein hat es handle sich um leichten Styropor statt um tonnenschwere Steinblöcke. Die Steine passten perfekt zusammen und hielten ohne Mörtel. Wie wurden diese von einem 20 Meilen entfernten Steinbruch durch die hüglige Landschaft transportiert? Wie wurden die Blöcke ohne Stahl oder Eisen so exakt bearbeitet und in Position gebracht? Die Erklärungen der Wissenschaftler dazu finden wir persönlich (wie bei den Pyramiden in Ägypten) eher dürftig. Auch die offizielle wissenschaftliche Datierung auf das 15. Jahrhundert wird von einigen Kritikern angezweifelt. Sie schätzen den Entstehungszeitpunkt der imposanten um tausende Jahre älter.

Wir schlenderten etwa eine Stunde in der riesen Anlage umher und bestaunten meterhohe Mauern, mächtige Tore, einen alten Inkathron aus Stein sowie eine etwa 100m durchmessende Arena. Immer begleitet von umherstreifenden Alpakas. Die fantastische Aussicht auf Cusco hinab, wurde dabei fast zweitrangig. Wir hätten hier Stunden verbringen können, doch wir hatten schliesslich noch weitere Stationen auf unserem Programm.

Unser nächstes Ziel war der wenige Gehminuten entfernte Cristo Blanco. Die acht Meter hohe, schneeweisse Jesus-Statue blickt direkt über die Hauptstadt. Sicher einiges kleiner als das bekanntere Pendant in Rio. Die Aussicht auf die Stadt und das Tal war jedoch phänomenal – das war dann eigentlich aber auch schon alles 🙂 .

Wir wanderten rund eine halbe Stunde weiter und erreichten schliesslich die archäologische Stätte von Qenko. Dies war ein zeremonielles Zentrum der Inkas. Die Highlights sind ein rund sechs Meter hoher Monolith, eindrückliche Höhlengänge sowie zahlreiche behauene Felsformationen. Auch hier konnten wir wieder von unserem „boleto turistico“ profitieren, da auch der Eintritt für diese Stätte im Sammelticket inbegriffen ist.

Wir wanderten einige Kilometer weiter und erreichten Salumpunku – den Tempel des Mondes. Es handelt sich dabei um einen grossen Felshügel mit zwei Höhlen darin. Der Besuch der Anlage ist kostenlos. Die Höhlen konnten wir leider nicht besichtigen, darin sollen verschiedene Felszeichnungen zu bestaunen sein. Darunter eine Zeichnung die einem Mammut sehr ähnlich sieht. Diese riesigen Tiere sind vor 11’000 Jahren ausgestorben – was auch hier wieder zu Stirnrunzeln über das wahre Alter der Anlage führt. Zudem sollen verschiedene Lichtschächte im Gestein existieren, die die Altare je nach Sonne bzw. Mondstand erleuchten.

Wenn wir schon die Höhlen nicht besichtigen konnten, erklimmten wir zumindest den Hügel. Die Aussicht auf die umliegende Natur war fantastisch. In einem in den Fels gehauenen Thron machten wir eine längere Verschnauf- und Wasserpause und genossen einfach den Moment und liessen die Energie des alten Ortes auf uns wirken.

Der Rückweg nach Cusco führte uns über den „camino principal al antisuyo“ durch wunderbar duftende Eukalyptuswälder. Wow, wir wanderten zum ersten Mal auf einer der legendären Inkastrassen. Dieser Abschnitt verband die Inka-Hauptstadt mit dem nördlichen Verwaltungsteil Anti Suyu. Das umfassende Strassensystem der Inkas stellte den Kontakt und die Überwachung im riesigen Reichsgebiet sicher. Über die Strassen und Brücken konnten sich Truppen, Händler oder Boten effizient fortbewegen. Berechnungen haben ergeben, dass das Strassen- und Brückensystem der Inka eine Länge von insgesamt 40’000km erreichte – was in etwa dem Erdumfang entspricht.

Schon bald erreichten wir wieder die engen Gassen von Cusco. Das letzte Ziel unserer Rundreise befand sich mitten in der Stadt: Das Convento Santo Domingo. An sich irgendeine weiteres spanisches Kloster, wie wir sie zu tausenden kennen *gähn*. Allerdings wurde dieses auf den Überresten des Qorikancha errichtet. Der sagenumwobene Sonnentempel war der wichtigste Tempel und der heiligste Ort des Inkareiches. Dem Sonnengott Inti gewidmet, waren Boden und Wände ursprünglich mit soliden Goldplatten bedeckt. Nach den spanischen Plünderungen zeugen heute von der einstigen Pracht des vergoldeten Tempels lediglich noch ein paar Mauerreste.

Nach fast sechs Stunden endete unsere Rundwanderung durch die Geschichte und wir gönnten uns ein verdientes Mittagessen. Völlig geflasht von den vielen Eindrücken verbrachten wir den späteren Nachmittag gemütlichen in unserem Zimmer und versuchten das Erlebte und die Emotionen in diesen Blogbeitrag zu verwandeln. Es war nicht ganz leicht all dies in Worte zu fassen – wir hoffen es ist uns gelungen.

Für das Abendessen stürzten wir uns nochmals ins inzwischen verregnete Cusco. Wir gönnten uns im A Mi Manera einen herrlichen Dreigänger. In dem etwas schickeren Restaurant waren wir uns in unseren Wanderklamotten wohl etwas underdressed was uns aber herzlich egal war. Der Kellner war sehr freundlich und zuvorkommend. Die rund CHF 50.00 die uns der Spass kostete, waren für peruanische Verhältnisse eher teuer – aber für das gute Essen alle mal wert 🙂 .

Tag 11, Dienstag, 17. Dezember 2019 – Steine über Steine

Über unser B&B konnten wir einen Transport buchen, welcher uns heute ins Sacred Valley (das Heilige Tal der Inkas) bringen sollte. Wir staunten nicht schlecht, als während des Frühstücks der Rezeptionist kam und meinte, der Transport sei bereit und er uns fahren würde. Wir dachten eher an ein Taxi 🙂 .

Er kannte zumindest unsere Pläne und fuhr in die richtige Richtung los 🙂 . Unser erster Stop war im kleinen Städtchen Chinchero. Es liegt ca. 15km nordwestlich von Cusco und liegt auf 3’760m. Die Stadt wurde von den Inkas als Sommersitz verwendet. Neben dem Plaza de Armas steht eine Kirche aus der Kolonialzeit, deren Fundamente aus der Inkazeit stammen (das kennen wir doch schon irgendwo her). Spannend ist, dass die darin stattfindende Messe bis heute in Quechua gehalten wird. Am Hang unterhalb der Kirche sind noch viele Mauern und wahnsinnig eindrückliche Terrassenfelder aus der Inkazeit vorhanden.

Der nächste Halt war quasi das wissenschaftliche Labor der Inkas. In Moray haben diese an ihrer Landwirtschaft geforscht und experimentiert. Sie haben ein Anbausystem in Kreisform geschaffen mit bis zu hundert Meter tiefen Terrassenfeldern. Durch Stützmauern und Treppen sind sie miteinander verbunden. Es gibt sogar ein funktionierendes Bewässerungssystem. Die Inkas erschufen mit dieser Technik verschiedene Mikroklimas, um festzustellen welche Pflanzen in welcher Höhne und unter welchen Bedingungen am besten gedeihen. Es war so beeindruckend zu sehen, was eine solche Kultur bereits erforscht hat. Ein weiteres Highlight dieses Stopps: wir hatten einen Kolibri gesehen! Wir konnten es nicht fassen und Mrs. Sippy ist fast ausgeflippt. Nun konnte sie eine „Must-Tiersichtung“ auf ihrer Bucketlist streichen 🙂 .

Nach ca. 30 minütiger Weiterfahrt erreichten wir die Salzminen von Maras. Wir schlängelten einen Berg hinab und plötzlich konnten wir sie erkennen. Die rund 3’000 Salzpfannen der Inkas. Auch hier waren wir wieder völlig erstaunt, wie die Inkas im Stande waren, ein solches Meisterwerk zu erschaffen. Sie kamen auf die Idee, aus dem salzhaltigen Wasser das Salz zu gewinnen, um dieses wertvolle Gut als Tauschmittel zu nutzen. So haben sie die Terrassen erschaffen. Die Gewinnung des Salzes  findet auf rein natürlichem Wege statt. Das salzhaltige Wasser wird über ein Kanalsystem in die 30cm tiefen Becken geleitet. Durch die hohe Sonneneinstrahlung verdunstet das Wasser und zurückbleibt dann nur noch Salz. Es wird hier auch das „Weisse Gold der Anden“ genannt. Es war völlig verblüffend.

Weil wir dachten, dass die nächste Sehenswürdigkeit ja sowieso auf dem Rückweg lag, fragten wir unseren Fahrer, ob wir noch bei Tambomachay Halt machen könnten. Er verneinte, weil das anscheinend ein längerer Umweg wäre, aber wir könnten noch eine extra Tour buchen und dann könnten wir noch Pisaq dazu nehmen. Da es erst 10:30 Uhr war, bezahlten wir den Aufpreis und fuhren 1.5 Stunden nach Pisaq (joah, war also wirklich ein Umweg 🙂 ). Die Strasse führte mitten durch das Sacred Valley entlang dem Rio Urubama und vorbei an riesigen Maisfeldern und grasgrünen Bergen.

Als wir in Pisaq ankamen, waren wir sprachlos. Es befinden sich eine Bergfestung der Inkas in den Hängen mit 1000m tiefen Terrassenfeldern. So etwas hatten wir noch nie gesehen. Auch das aufkommende Unwetter mit Blitz und Donner hielt uns nicht auf diese Stätte zu erklimmen. Wir hielten immer wieder an, um die Terrassen und die Ruine zu bestaunen. Über lange Treppen konnten wie sogar bis hoch zum heiligen Stein „Intihuatana“ steigen. Die Inkas glaubten, dass an diesem Stein die Sonne angebunden ist. Sein bekannter Bruder steht in Machu Picchu. Man erkennt vom obersten Plateau wunderbar die verschiedenen Bezirke der Stätte und beim Aufgang zum heiligen Bezirk steht sogar ein funktionierendes Brunnensystem. Die gesamte Anlage ist riesig und man kann hier Stunden mit Staunen verbringen. Also unbedingt genug Zeit einplanen.

Nach weiteren 40 Minuten mit dem Auto erreichten wir die Stätte, nach welcher wir gefragt hatten: Tombamachay. Hier lässt sich nämlich noch eine Teilruine erkunden, in der das Wassersystem der Inkas intakt ist. Erhalten sind vor allem noch die Wasserrinnen und die Wasserbecken. Das Wasser wird über Kanäle in vier terrassenförmige Ebenen geleitet. Die Stätte diente als Wasserheiligtum und Erholungsgebiet (wahrscheinlich eine Art Therme).

Der letzte Stopp lag nur drei Fahrminuten entfernt: Puka Pukara. Diese Festung war als reine Militärstätte angelegt und sollte als Verteidigungsanlage für Cusco dienen. Diese Ruine hatten wir schnell besichtigt. Wir waren gedanklich immer noch in Pisaq. Wir hätten ohne unseren Fahrer die Stätte nie besichtigt und sind so unglaublich froh, diese mitgenommen zu haben. Wir haben unser Boleto Turistico mehr als herausgeholt. Wir mussten heute nämlich an keiner Anlage (mit Ausnahme der Salzminen) Eintritt bezahlen. Damit haben wir sieben Anlagen mit dem Ticket besucht.

Die Zeit verging seit dem Morgen rasend schnell. Und so sassen wir erst um 15:00 Uhr beim Mittagessen – dafür ging es ins Avocado & Toast. Da gab es nur Gerichte mit Avocado. Wer konnte sich da wohl nur schwer entscheiden 😉 .

Unseren letzten Termin hatten wir um 18:30 Uhr Alpaca Expeditions. Hier erhielten wir von Felipe das Briefing für den Salkantay Trek und den Inka Trail. Er wird uns die nächsten sieben Tage als Tourguide begleiten. Unsere Gruppe besteht lediglich aus drei Personen. Wenn alles glatt geht, werden wir gemeinsam am 24. Dezember 2019 in den frühen Morgenstunden auf die Inka-Stadt Machu Picchu herunterblicken.

Zurück im Hotel packten wir unsere sieben Sachen für den Trek. Wir sind sehr gespannt was uns auf diesem Abenteuer alles erwarten wird. WiFi gibt es natürlich keines, weshalb hier für die nächste Woche erstmal Funkstille sein wird. Wir werden im Anschluss jedoch ausführlich über das Erlebte berichten.

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