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Kyoto I

von mrandmrssippy

Tag 11, Dienstag, 18. Juni 2019 – So gar nicht Zen…

Bevor wir Miyajima verliessen, erkundeten wir am Morgen früh in aller in Ruhe den Daishoin Tempel. Für einmal handelte es sich dabei um einen buddhistischen Shingon-Tempel und war völlig anders, als jene die wir bisher besichtigt hatten. Gegründet wurde er vom Mönch Kobo-daishi, welcher auch die ewige Flamme auf der Insel entzündete (siehe auch Hiroshima & Miyajima).

Tausende verschiedene Buddhas in allen Grössen und Formen säumten den Weg, die Schreine und die Brunnen. Der Weg führte über verschiedene Treppen zu verschiedenen Tempeln und Schreinen. Wir waren so gut wie alleine und konnten den Tempel ausgiebig erkunden. Für uns war dies nach zwei Wochen Japan einer der schönsten Tempel. Mrs. Sippy nahm sich die Zeit und meditierte eine Weile, währenddessen Mr. Sippy die Umgebung fotografierte. So hatte jeder seine eigene Art abzuschalten. 

Vom Hunger getrieben, spazierten wir in Richtung Hafen. Die Shops und Restaurants hatten alle noch geschlossen. Janu, einige Zeit halten wir es ohne Nahrung noch aus 🙂 . Mit einem letzten wehmütigen Blick fuhren wir schliesslich mit der Fähre zurück aufs Festland. Von da aus ging es mit einem Regionalzug zur Hiroshima Station und von dort weiter mit dem Shinkansen in Richtung Kyoto. Kurz nach Mittag waren wir in unserem Hotel angekommen. Das Hotel Sakura Terrace The Gallery liegt nur zwei Gehminuten vom Bahnhof entfernt. Für uns perfekt, da wir täglich über Kyoto Station unsere Ausflugsziele erreichen können. 

Nun waren wir also in Kyoto – letzte Station unserer Reise und kulturell die wohl bedeutendste Stadt von Japan. Errichtet nach Feng-Shui-Prinzipien war sie von 794 bis 1868 (also über 1’000 Jahre) Hauptstadt des Landes und Sitz des Kaisers. Unzählige Sehenswürdigkeiten, Tempel, Schreine, Gärten und Museen können hier bestaunt werden. Und somit ein „must see“ auf jeder Japanreise.

Auf unserem Tagesprogramm stand nichts besonderes mehr, so dass wir den angebrochenen Nachmittag flexibel nutzen konnten. Wir fuhren mit dem Regionalzug ins Vergnügungsviertel Gion. Schon im Zug waren wir völlig überfordert von der riesigen Menschenmasse. Irgendwie hatten wir uns das beschaulicher vorgestellt. 

Angekommen sind wir schliesslich in einer riesigen Einkaufsstrasse. Unser erstes Ziel war der Nishiki Market. Dieser mehrere hundert Meter lange, überdachte Markt bietet über hundert verschiedene Shops, Restaurants und Spezialitätenläden. In der engen Gasse gäbe es wohl viel zu entdecken, durch die Masse an Menschen, war es jedoch ein Ding der Unmöglichkeit stehen zu bleiben. Wir wurden von den Menschenströmen regelrecht durch den Markt geschoben. Voila – nun hatten wir wohl doch noch die Touristenmasse gefunden, von der im Internet immer gesprochen wurde. Wir hatten bis jetzt wohl einfach Glück. Mit den Nerven ein wenig am Ende, flüchteten wir in ein nahe gelegenes Einkaufszentrum und gönnten uns dort ein Essigwasser (tönt nicht gut, ist aber unglaublich lecker) und ein Sojabohnen Schoggifrappé (tönt gut, ist auch gut 🙂 ). 

Ein wenig entmutigt, peilten wir dann die nächstmöglichste U-Bahnstation an. So hatten wir uns dies nicht vorgestellt. Das Abendessen genossen wir dann im hoteleigenen Restaurant. Das Essen war hervorragend und wir hatten den Eindruck, dass die Preise hier in Kyoto nicht mehr ganz so hoch sind. Unser Plan für morgen stand auch fest: den Touristenmassen möglichst aus dem Weg gehen, das heisst wieder so früh wie möglich los.

Tag 12, Mittwoch, 19. Juni 2019 – Wilde Affen, Bambus und eine Flussfahrt

Gesagt, getan. Vor 06:00 Uhr klingelte bereits der Wecker. Heute möchten wir in den bekannten Bambuswald bei Arashiyama. Dieser Vorort von Kyoto liegt 15 Minuten mit dem Zug entfernt.

Dort angekommen fanden wir den Bambuswald recht rasch, da wir einem Youtube-Päärchen gefolgt sind, die anscheinend schon ein paarmal hier waren.

Der Wald war schon gut besucht, aber noch nicht überlaufen. So konnten wir in Ruhe stehen bleiben und unsere Bilder machen und den Moment unter den riesigen Bambusbäumen geniessen. Zur Abwechslung konnten wir das Youtube-Päärchen bei seinen Video-Aufnahmen beobachten – dass war lustig anzusehen. Mit einem jungen Amerikaner kamen wir kurz ins Gespräch – er sei nun schon zum dritten Mal hier, da die ersten beiden Male das Gedränge hier dermassen gross war.

Anderthalb Stunden verbrachten wir im Bambuswald und gingen dann zurück zur Zugstation. Von dieser aus fährt auch der Sagano Romantic Train. Diese historische Dampflok tuckert romantisch durchs Tal mit offenen Fenster. Mittwochs fährt die Bahn aber nicht – jetzt war auch klar, warum wir online keine Tickets reservieren konnten. Pech, aber das wäre wohl auch ein bisschen gar kitschig für uns gewesen 🙂 .

So nahmen wir halt den weniger romantischen Regionalzug nach Kameoka. Von dort war es nur ein kurzer Fussmarsch zur Bootsanlegestelle der Hozugawa River Cruises. In einem typischen japanische Holzboot fuhren wir in zwei Stunden den Fluss entlang wieder nach Arashiyama. Es war toll. Unterwegs sahen wir Kraniche, Schildkröten, wilde Affen und Komorane.

Gesteuert wurde das alte Boot von drei Guides mit Paddel, Steuerrute und Bambusstock. Dabei erzählten sie viel – vermutlich sehr interessante Dinge über Fauna und Flora und witzig schienen sie, gemäss den zahlreichen Lachern der übrigen (japanischen) Mitreisenden, auch zu sein. Wir verstanden leider kein Wort – die Tour fand ausschliesslich in Japanisch statt. Das tat dem ganzen aber keinen Abbruch. Wir genossen die Flussfahrt wahnsinnig!

Zum Schluss konnten wir sogar noch eine landestypische Art des Angelns beobachten. Die Japaner richten Komorane ab, damit diese für sie fischen. Der Fischermeister lässt dabei die Vögel an Leinen vom Boot und mit Ringen um den Hals wird verhindert, dass diese die Beute verschlucken. Die Komorane picken dann wie wild ins Wasser und bringen die Fische an die Oberfläche. Diese uralte Fangmethode ist interessant anzusehen – sehr tierfreundlich ist sie vermutlich eher nicht. 

Nach der langen Bootsfahrt mussten wir uns ein wenig die müden Beine vertreten. Dazu eignete sich der nahegelgene Affenberg am Besten. Die Makakenaffen sind in Japan heimisch – hier wurde rundherum eine Infrastruktur und eine Station zur Fütterung aufgebaut.

Da die Affen scheinbar ziemlich aggressiv seien, soll man sie weder anfassen, noch füttern und auch von direktem Augenkontakt wird abgeraten. Vom Fusse des Berges geht es in etwa 20min über Treppen (jaja, schon wieder so dämliche Treppen) den Berg hinauf. Bei der Schiffsanlegestelle hat sich Mrs. Sippy wohl noch den Oberschenkel geprellt (wer sie kennt, weiss wohl wie das passieren konnte 🙂 ) und fluchte innerlich nun noch mehr über die Treppen.

Oben angekommen waren wir völlig durchgeschwitzt. Das Wetter war die letzten Tage unglaublich heiss und schwül. Das liess aber die richtige Atmospähre für die Affen aufkommen 🙂 . Die Tiere bewegten sich sehr flink und wir konnten beobachten wie sie einem Touristen die Trinkflasche und den Schirm gestohlen haben. Die Affen hatten sich für diese Tat untereinander richtig abgesprochen. Nach diesem Anblick haben wir unser Hab und Gut noch ein wenig mehr umklammert 🙂 . Nicht nur die Tiere waren sehenswert, sondern auch der Ausblick von oben über Kyoto. In der Ferne liess sich sogar die fünfstöckige Pagode ausmachen. Mr. Sippy war voll in seinem Element und er genoss es die verrückten Affen zu fotografieren. 

Auch heute hatten wir das mit dem Mittagessen wieder völlig verpeilt. Deshalb suchten wir nachdem Affenpark etwas zu Futtern. Wir fanden einen Gelato-Laden und der musste natürlich ausprobiert werden. Die richtige Menüreihenfolge wird ja manchmal völlig überbewertet 🙂 . So kam Mrs. Sippy endlich zu ihrem gewünschten Kirschblüten-Eis. Da nun der erste Appetit gestillt wurde, liessen wir den Rest aus und fuhren mit der Bahn zurück nach Kyoto Station. 

Wir wollten dem Gion Viertel nochmals eine zweite Chance geben. An der Ninen-zaka und die Sannen-zaka Strasse sollen sich zahlreiche historische Häuser befinden. Diese Quartiere und Gassen hatten uns bereits in Takayama und Kanazawa sehr beeindruckt.

Da wir nun mental auf die Menschenmassen eingestellt waren, war es halb so schlimm. Unzählige Touristen wuselten verkleidet in Kimonos herum und machten Fotos vor den stimmigen Kulissen. Überall gab es kleine süsse Shops, die alles mögliche verkauften. Und die unzähligen Schreine und Tempel waren ebenfalls hinreissend. An einem Stand gönnten wir uns eine eingelegte saure Gurke am Spiess. Diese war eisgekühl, riesengross und fantastisch. Ein ziemlich erfrischender Snack bei diesem Wetter!

Über unzählige Gassen kamen wir schliesslich zur riesigen Anlage des Kiyomizu Tempels. Das UNESCO-Weltkulturerbe ist eines des Wahrzeichen von Kyoto. Die verschiedenen Tore, Hallen, Glockentürme und Pagoden waren atemberaubend. Der eigentliche Tempel war jedoch völlig eingehüllt und in Renovierung, weshalb wir auf das Zahlen des Eintritts verzichteten und stattdessen von den Terrassen die phänomenale Aussicht auf Kyoto genossen. 

Heute war ein toller Tag mit vielen verschiedenen Eindrücken von Kyoto. Nach einem etwas harzigen Start finden wir immer mehr Gefallen an diesem Ort! Das frühe Aufstehen hatte sich (wie immer bisher auf dieser Reise) gelohnt respektive war schon fast ein Muss! Beim Abendessen im Hotel liessen wir den Tag nochmals Revue passieren, bevor wir völlig K.O. ins Bett fielen.

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