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Pole Pole

von mrandmrssippy

Fertig ausgeruht – schliesslich wollen wir in unseren Ferien jeweils auch etwas vom Land sehen. Die nächsten beiden Tage stehen Ausflüge auf dem Programm. Nichtsdestotrotz natürlich alles schön ruhig und gemütlich oder wie man hier sagt: pole pole (langsam, langsam)…

Tag 5, Dienstag, 12. Dezember 2017 – Gewürze, Sklaverei und eine Überraschung

Pünktlich um 09:00 Uhr stand Salim, unser Fahrer vor dem Hotel – die Buchung via WhatsApp am Sonntag hat also tatsächlich geklappt 🙂 . Mit dabei hatte er seinen Kollegen Mselem, ein älterer Einheimischer, der übrigends fliessend Deutsch spricht. Bereits vor der Abfahrt mussten wir einige Male mit den beiden lachen. Mit diesem lustigen Duo würden wir also den heutigen Tag verbringen.

Die Fahrt führte vorbei an Reisfeldern mit dutzenden weissen Kuhreihern und Mangobäumen. Währenddessen  erzählte uns Mselem wie früher alles besser war und Zanzibar zum reichsten Flecken Afrikas gehörte. Heute betrage die Arbeitslosigkeit auf der Insel nahezu 50%. Arbeit bieten hier vor allem die Landwirtschaft (Gewürze und Früchte) sowie der Tourismus. Als Grund des Übels wurde das tansanische Festland mit seiner Regierung genannt. Nahezu sämtliche Rohstoffe und zudem (anscheinend) hohe Steuern fliessen von der Insel auf den Kontinent. Immigranten aus Tansania und Kenia erschweren die Jobsuche für Einheimische zusätzlich. Wir merken ziemlich schnell: Der ältere Einheimische ist Tansania nicht so freundlich gestimmt und wünscht sich eine Abspaltung vom Festland. Dies sehen offenbar auch viele andere Bewohner so – man sehe sich nur das Chaos nach den letzten Wahlen der teilautonomen Regierung auf Zanzibar an. Wie sind gespannt wie es in dieser Sache weitergehen wird.

Doch genug der Politik: Unser erster Stop war eine Spice Farm in der Mitte des Landes. Eine kleine Familie baut hier auf rund 3 Hektaren verschiedene Gewürze und Früchte an. Ali führte uns rund eine Stunde über die Plantage und liess uns an diversen Pflanzen riechen und kosten. Dabei waren Gewürze wie Nelken, Zimt, Muskatnuss, Koriander, Kumin, Kardamom, Ingwer, Zitronengras, Kaffir-Limetten, Kurkuma, Pfeffer, Chilis, Lorbeer und Pfefferminze – um nur ein paar zu nennen. Es war interessant all diese Gewürze mal in ihrem Rohzustand zu sehen und Ali hatte Freude, dass wir so viele aus unserer heimischen Küche erkannten. Die Familie baut aber auch viele exotische Früchte wie Bananen (dutzende Sorten!), Grapefruits, Ananas, Mangos, Papayas, Sternfrüchte, Passionsfrüchte, Guaven, Jackfrüchte und Kokosnüsse an. Letztere wurden von einem kletternden Jungen von einer hohen Palme gepflückt und frisch aufgeschnitten (siehe Fotostrecke). Weitere bekannte Pflanzen auf der Plantage waren Kaffee, Kakao, Ylang-Ylang oder der Jodbaum. Vor der Weiterfahrt stockten wir vor Ort die Vorräte für unseren Gewürzschrank auf – frischer geht es wohl kaum.

Die nächste Station war Stone Town mit einem eher düsteren Kapitel der Menschheitsgeschichte; die Besichtigung des alten Sklavenmarktes. Verschiedene Infotafeln bringen den Besuchern die Geschichte der Sklaverei auf Zanzibar näher. Diese begann im 17. Jahrhundert unter der Herrschaft des Sultans von Oman. Dazu wurden im ostafrikanischen Festland ganze Landstriche von den Arabern versklavt und mit Karawanen und über den Seeweg nach Zanzibar entführt. In Stone Town war damals der grösste Sklavenmarkt an der ostafrikanischen Küste. Dort wurden die Verschleppten unter menschenunwürdigen Zuständen im Keller angekettet und eingepfercht. Diese Schauplätze des Schreckens können heute besichtigt werden. In einem engen Kellerraum wurden bis zu 70 Leute eingesperrt, nur durch kleine Fenster dringt ein wenig Licht (siehe Fotostrecke), die Notdurft musste gezwungenermassen auf den Boden verrichtet werden und nachts setzte die Flut das Lager bis zu einem Meter unter Wasser. Ein beklemmendes und mulmiges Gefühl überkam uns ab der Grausamkeit, die Menschen ihresgleichen antun können und wir waren froh, als wir die Kellergewölbe wieder verlassen konnten. Die Sklaven wurden anschliessend auf dem Sklavenmarkt in Stone Town versteigert. Anders als die westafrikanischen Sklaven (welche hauptsächlich nach Amerika verschifft wurden) exportierte der ostafrikanische Sklavenhandel vorwiegend nach Mauritius, Madagaskar und in arabische Länder. Dort endete die Geschichte vieler Sklaven auf einer Plantage. Auf dem Gelände steht heute eine anglikanische Kirche und ein Denkmal, welches dem Schicksal der Sklaven gedenkt.

Nun führte uns Mselem in das hektische Markttreiben von Stone Town. Menschenmassen, Autos und Mopeds wuselten hier wild und laut hupend durcheinander. Der Fischmarkt war schon von weitem zu riechen. In einer Halle lagen unzählige Fische und Meeresfrüchte zum Verkauf bereit – umschwirrt von ebenso vielen Fliegen. Nebst Fisch gab es hier zahlreiche orientalische anmutende Marktstände mit Gemüse, Früchten und natürlich Gewürzen. Ein hektisches Stimmenwirrwarr und zahlreiche Gerüche (angenehme und weniger angenehme) drangen auf uns ein.

Nach dem Markt war die verwinkelte Altstadt unser Ziel. Nach zahlreichen Stops wie dem Haus der Wunder, der alten Festung, dem Freddie Mercury Haus (der wurde übrigens in Zanzibar geboren), dem internationalen Hafen und dem Haus des Sklavenhändlers Tippu-Tip neigte sich unser Rundgang durch die engen Gassen langsam dem Ende zu. Stone Town hat eine sehr ereignisreiche Geschichte hinter sich und viel zu bieten. Nicht um sonst zählt der Stadtteil seit dem Jahr 2000 zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Müde und erschöpft von den vielen Eindrücken und spannenden Hintergrundinfos unserer Guides fuhren wir zurück in unser Hotel.

Dort folgte schliesslich die geniale Überraschung von unserem tollen Hotelteam. Das Abendessen wurde nicht, wie gewohnt, im Restaurant eigenommen, sondern es folgte ein Candlelight-Dinner (nur für uns zwei) unter dem Sternenhimmel am Meer. Vielen Dank nochmals für die gelungene Honeymoon-Überraschung.

Fotogalerie (Bilder anklicken um sie in voller Auflösung und Format zu sehen):

Tag 6, Mittwoch, 13. Dezember 2017 – Affen, Mangroven und zufriedene Afrikaner

Nach einem kurzen Frühstück pickte uns unser Fahrer um 08:30 Uhr in der Hotel-Lobby auf. Heute stand eine Tour durch den Jozani Chwaka Bay National Park an. Der Nationalpark in der Mitte der Insel ist rund 50kmgross und Heimat zahlreicher bedrohter Affenarten. Die bekanntesten darunter sind die Red Colobus – oder auf Deutsch: Der rote Stummelaffe (der Name ist auf den fehlenden Daumen und die vier Finger zurückzuführen). Aber auch Sykes Monkey (Weisskehlmeerkatze) oder Bush Babies (Galagos) finden in diesem Regenwald eine geschützte Heimat. Nebst Affen finden sich hier diverse andere Tierarten wie Echsen, Geckos, Schlangen, Fledermäuse, Schmetterlinge (ungiftige und giftige 🙂 ) oder Ameisenbären.

Nach einer rund 15min Fahrt trafen wir bereits am Ziel ein. Wir sind auf unseren bisherigen Touren bereits mehrmals am Park vorbeigefahren, nun aber bog der Fahrer rechts ab in eine holprige Waldstrasse. Unser Park-Guide machte uns als erstes mit den rund zwanzig Parkregeln vertraut. Einige schienen uns sinnvoll (Wege nicht verlassen, kein Lärm oder Abfall, etc.) – ab dem Punkt „Tips are highly recommended“ mussten wir schmunzeln.

Nach Instruktion der Regeln brachen wir zu Dritt auf in den Wald. Bereits rund 100m nach dem Parkeingang hatten wir das Gefühl in einem verlassenen Regenwald zu sein. Wir waren umgeben von hohen Mahagonibäumen und Palmen. Die feuchte Luft war erfüllt mit dem lauten Zirpen von Zikaden und dem Kreischen der Affen – Urwaldfeeling pur. Die Affen tollten über unseren Köpfen hinweg und es war spannend diese zu beobachten. Viele weibliche Tiere hatten Junge auf dem Rücken. Einigen Affen kauten auf einem Stück Holzkohle herum – dies beruhige den Magen, erklärte unser Guide – die Kohletabletten der Natur also.

Rund eine Stunde wanderten wir durch den menschenleeren, wilden Wald. Dabei sahen wir nebst zahlreicher Affen auch Echsen, Geckos, Krebse, verschiedene Vögel und Schmetterlinge. Unser Guide war etwas enttäuscht, dass sich heute keine Schlange zeigte. Darüber waren wir nicht mal so traurig, als er uns erklärte, dass sie im Falle eines Bisses kein Gegengift vorrätig hätten 🙂 .

Der zweite Teil der Tour führte durch den Mangrovenwald des Parkes. Dieser dient zahlreichen Vögeln und auch Fischen als geschützte Brutstätte. Es war interessant zu hören und zu sehen wie sich die Bäume dem feuchten Untergrund und dem salzigen Meerwasser angepasst haben. Momentan war Ebbe und die unzähligen Wurzeln der Bäumen schlangen sich in einem riesigen Wirrwarr durcheinander. Auf dem sumpfigen Boden tummelten sich zudem zahlreiche Krebse.

Nach rund zwei Stunden war die Tour durch die Natur bereits wieder zu Ende. Für uns fast ein bisschen zu kurz – trotz Hitze wären wir gerne noch länger durch die vielfältigen Wälder spaziert. Leider ist dies ohne Guide nicht erlaubt und so machten wir uns also wieder auf den Weg zurück ins Hotel.

Bei diesen Fahrten durch Zanzibar sieht man jeweils entlang der Strasse in welch ärmlichen Verhältnissen die Leute hier leben. Auf dem Land sieht man meist Rohbauten oder Holzhütten mit einem Dach aus Blech oder Schilf. In der Stadt (zum Beispiel in Stone Town) leben viele Leute in heruntergekommenen Plattenbauten (ein Relikt aus Zeiten des Kommunismus). Auffallend ist der viele Abfall der die Strassenränder säumt.

Trotz dieser Verhältnisse sehen die Afrikaner jedoch irgendwie glücklicher und zufriedener aus, als die Leute bei uns in der S-Bahn oder an der Zürcher Bahnhofstrasse. Auch wenn man sich mit Einheimischen unterhält, heisst es immer wieder zufrieden lächelnd „wir haben ja alles was wir brauchen“ oder einfach nur „Hakuna Matata“. In diesem Bereich können wir nörgelnden Schweizer vermutlich noch einiges von den Afrikanern lernen.

Der Rest des Tages verlief ereignislos. Sonne tanken, erholen, baden, essen, Strandspaziergänge, fotografieren und was halt sonst noch so alles in den Ferien dazugehört.

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